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Bilanz - Die WM als Event

«Cooly», das «Nüni»-Tram und bunte Fans

Montag, 11. Mai 2009, 11:24 Uhr, Aktualisiert 12:01 Uhr

Nach der EURO 2008 haben Bern und die Schweiz mit der Eishockey-WM ein weiteres Mal bewiesen, dass man als Austragungsort von Sport-Grossanlässen taugt. Es war eine Weltmeisterschaft mit Stars zum Anfassen und bunten, friedlichen Fans aus ganz Europa und Nordamerika.

«Cooly», Tram und Fans - Highlights dieser WM.
«Cooly», Tram und Fans - Highlights dieser WM. (keystone)

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Nicht schlecht staunten die paar Dutzend Fahrgäste im Berner 9er-Tram, als am WM-Eröffnungstag bei der Haltestelle Kursaal plötzlich etliche grossgewachsene, bullige Männer mit blauen Augen und Trainingsanzügen mit aufgenähten gelben Kronen ins Tram zustiegen. Es war die schwedische Nationalmannschaft, die den öffentlichen Verkehr als erste für sich entdeckt hatte.

Von da an hatte der gewöhnliche Eishockeyfan zwei Wochen lang die Gelegenheit, mit den Weltstars aus Russland, Schweden und anderen Eishockey-Nationen im 9er-Tram Richtung WM-Stadion zu fahren. Die Hockey-Cracks schienen ganz vernarrt ins von Mani Matter besungene Tram und Autogramm-Jäger hatten selten leichteres Spiel als in den fünf Minuten zwischen Kursaal und Guisanplatz. An welcher WM konnte man sich schon einfach so neben Schwedens Coach Bengt-Ake Gustafsson setzen?

Man kann und darf die 10. Eishockey-WM in der Schweiz nicht mit der EURO vergleichen. Es fand keine «Oranje-Invasion» statt und es gab auch keine Fan-Prozessionen zum Stadion, bei denen der gesamte Verkehr lahmgelegt wurde. Der Event hatte eher den Charme eines Volksfests, bei dem buntbemalte und kostümierte Letten, Schweden, Russen und Finnen die Berner Altstadt schmückten. «Die WM war eine grosse Eishockey-Party mit Fans aus der ganzen Welt», bilanzierte OK-Chef Gian Gilli.

Besonders fielen die Letten auf. Obwohl nur rund 2,5 Millionen Menschen im Balten-Staat leben, erschienen die lettischen Fans in der Gruppenphase und während den Zwischenrundenpartien von allen ausländischen Supportern am zahlreichsten und trieben die Mannschaft von Coach Oleg Znaroks zu Höchstleistungen an. Während der Viertelfinals waren sie dann aber alle wieder abgereist - sie hatten wohl nicht damit gerechnet, dass sich ihre Mannschaft für die Runde der letzten Acht qualifizieren würde.

Was die Letten in Bern, waren die Ungarn in Kloten, wo rund 3000 Magyaren ihr Team begleiteten. Für sie war es seit 70 Jahren die erste Teilnahme an einer A-WM - und zugleich die vorerst letzte, denn Ungarn musste wieder absteigen. Die Fans waren aber auf alle Fälle A-klassig.

Dass eine Eishockey-WM im April und Mai hierzulande niemanden interessieren würde, sollte sich als Trugschluss erweisen. Klar drückte das zu frühe Aus der Schweizer Nati die Euphorie, die Veranstalter konnten aber für alle 56 Spiele rund 302'000 Tickets absetzen und erreichten damit - wenn auch nur knapp - ihr Soll. «Ob die WM ein finanzieller Erfolg sein wird, können wir erst nach der Schlussabrechnung sagen», so Gilli. Die Stadien waren im Durchschnitt zu 57 Prozent gefüllt, während den Spielen der K.o.-Phase zu rund 88 Prozent.

Hervorzuheben gilt es vor allem die hervorragende Stimmung bei Spielen der «Eisgenossen». Gestandenen Schweizer Eishockeyprofis lief es kalt den Rücken hinunter, als sie - gefeiert von 11'500 Fans, die das Stadion in ein rot-weisses Fahnenmeer verwandelten - das Eis betraten. Laut wurde es jeweils auch, als die Russen um Superstar und Puck-Artist Ilja Kowaltschuk die Fans verzauberten.

Der heimliche Star dieser WM bewegte sich nicht ganz so grazil auf dem Eis wie Kowaltschuk und seine Kollegen. Dafür verblüffte er die Zuschauer mit anderen Kunststückchen. Die Rede ist von «Cooly», dem wohl coolsten Maskottchen aller Zeiten.

Während des Spiels turnte es wie von der Tarantel gestochen auf der Tribüne herum, startete unzählige La Olas, trieb Schabernack und rief wahre Begeisterungsstürme hervor. Oftmals sorgte «Cooly» für grössere Begeisterung als das Gebotene unten auf dem Eis. Mit Sprechgesängen wurde das treuherzige Maskottchen immer wieder gefordert, Plüsch-Kopien der nimmermüden WM-Kuh waren in den Fanshops bald einmal restlos ausverkauft.

«Cooly» ist Weltmeister der Maskottchen. Die Plüsch-Kuh, die mit Sicherheit an der einen oder anderen Fasnacht kommenden Winter ein Comeback feiern wird, hat «Trix und Flix», «Goleo» oder wie sie alle hiessen, locker ausgetanzt. (Vincent Bongard, Bern)