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Unspunnen 2011

Glossar

Hüfter, Kurz, Übersprung und Brienzer

Sonntag, 19. August 2007, 0:00 Uhr, Aktualisiert 05.12.2007, 8:02 Uhr

Wie schwingt man? Was unterscheidet das Unspunnenfest vom «Eidgenössischen»? Kann man mit Note 8,5 zufrieden sein? Und was macht ein Turner im Sägemehl? Antworten auf diese Fragen gibt der Schwing-Glossar.

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Bild Martin Grab (l.) gegen Bruno Linggi auf der Rigi kurz vor dem Plattwurf.
Martin Grab (l.) gegen Bruno Linggi auf der Rigi kurz vor dem Plattwurf. keystone

Die 5 wichtigsten Angriffsvarianten in Kurzfassung:

Kurz 

Der schwungausführende Schwinger reisst den Gegner mit geschlossenem und leicht nach rechts gedrehtem Körper auf die Knie, schüttelt ihn hier ab und wirft mit Kurz. Wenn ein Schwinger den Kurzzug beherrscht, sind verschiedene Varianten möglich (Kurz mit Oberarmgriff, Kurz mit Oberschenkelgriff, linker Kurz usw.).

Übersprung 

Der schwungausführende Schwinger macht eine rasch ausgeführte Kurzfinte, dreht blitzschnell nach links oder rechts zurück, springt mit dem rechten Bein möglichst tief hinter das rechte Bein des Gegners und wirft ihn mit kräftiger Mithilfe des Oberkörpers direkt auf den Rücken.

Brienzer 

Im ursprünglichen Brienzer wechselt der schwungausführende Schwinger seine rechte Hand vom Gurt zum Gestössgriff, macht eine Drehung nach rechts und greift mit dem linken Arm über die Schulter oder den Nacken des Gegners auf dessen linkes Gestöss. Gleichzeitig hängt er mit dem linken Bein am rechten Bein des Gegners ein, spreizt das Bein hoch und wirft ihn mit kräftigem Ruck nach vorn kopfüber auf den Rücken.

Hüfter 

Der Hüfter ist Ausgangslage für verschiedene Kombinationen wie Schlungg, Brienzer usw. Aus der Angrifffsstellung wechselt der schwungausführende Schwinger seinen linken Griff und fasst von oben Gurt oder Gestöss des Gegners. Mit der rechten Hand fasst er den linken Oberarm des Gegners, springt mit der linken Hüfte möglichst tief unter den Gegner, hebt diesen durch Strecken der Beine vom Boden, beugt sich gleichzeitig kopfvoran tief nach vorn und wirft ihn mit heftigem Ruck kopfüber auf den Rücken.

Bur 

Ist der Gegner zu Fall gebracht worden, darf ihm nicht die Möglichkeit geboten werden, sich wieder aufzurichten und neu in Stellung zu gehen. Deshalb blockiert der Schwinger mit Gurtgriff seinen Gegner mit dem Oberkörper, umfasst mit der linken Hand das rechte Knie des Gegners, reisst kurz auf, arbeitet sich vorn in der Spalt, fasst hinten Gurtgriff, hebt den Unterkörper des Gegners leicht hoch und überdrückt zum Resultat.

Wissenswertes aus dem Schwing-Sport:

Das Eidgenössische 

Das wichtigste Schwingfest, an dem der Schwingerkönig gekürt wird, findet alle 3 Jahre statt.

Teilverbände

Der Eidgenössische Schwingerverband besteht aus 5 Teilverbänden (Innerschweizer, Nordostschweizer, Berner, Nordwestschweizer, Südwestschweizer). Jeder dieser Teilverbände führt - quasi als seine Meisterschaft - jährlich sein regionales Schwingfest mit wechselndem Austragungsort durch. Eine Sonderrolle nimmt der Bernisch-kantonale Verband ein, die einzige Region, die nicht aus mehreren Kantonen besteht.

Bergfeste 

Die grossen Bergfeste mit fixen Austragungsorten gehören zu den Höhepunkten im Schwingerjahr. Ihre Schauplätze sind Rigi, Schwägalp, Brünig, Stoos, Schwarzsee und Weissenstein.

Unspunnen/Kilchberg 

Unspunnen- und Kilchberg-Schwinget gelten als Feste mit «Eidgenössischem Charakter». Sie finden alle 6 Jahre statt und sind dann dementsprechend die Saisonhöhepunkte.

Notengebung 

3 Kampfrichter verteilen pro Gang dem Sieger und dem Verlierer Noten. Dabei wird die Notenskala 8,25 bis 10,00 angewendet. Der Schwinger, der nach allen Gängen die höchste Gesamtpunktzahl aufweist, gewinnt das Schwingfest. Verloren respektive gewonnen ist ein Gang, wenn der Boden entweder mit dem ganzen Rücken, vom Gesäss her bis zur Mitte beider Schulterblätter oder vom Nacken bis Mitte beider Schulterblätter berührt wird. Die beiden Schwinger mit der höchsten Punktzahl treten gegeneinander zum Schlussgang an.

Schlussgang 

Der Schlussgang ist so etwas wie der Final eines Schwingfestes. Im letzten Gang treten die zwei Schwinger gegeneinander an, welche die besten Chancen auf den Festsieg haben. Der Finalsieger ist allerdings nicht zwingend der Festsieger. Wenn er nicht die Note 10 erhalten hat, kann er von einem Kontrahenten abgefangen werden.

Anschwingen/Ansetzung 

Das Kampfgericht, welches die Noten vergibt, teilt auch die Kämpfe ein. Sprich: Im Schwingen gibt es keinen fixen Spielplan wie im Fussball oder im Eishockey, nach jeder Runde wird erneut beraten, welche Sportler gegeneinander zu kämpfen haben. Besonders beim Anschwingen, dem allerersten Gang, wird auch auf attraktive Paarungen zwischen Mitfavoriten geachtet, damit das Schwingfest rasch lanciert ist.

Turner/Senn 

Sennenschwinger sind traditionell Mitglieder eines Schwingvereins. Sie treten in farbigem Hemd (meist hellblau) und dunkler Hose an. Turner (Mitglieder eines Turnvereins, in welchem auch andere Sportarten trainiert werden) schwingen ganz in weiss.

(tri)