Federer Special
Federer im Eiltempo zum Jubiläumssieg
Roger Federer startet als «Jubilar» zu seinem Heimturnier in Basel. Der Weltranglisten-Erste «überfuhr» den Chilenen Fernando Gonzalez im Final des Masters-Series-Turniers in Madrid 7:5, 6:1, 6:0 und errang seinen zehnten Titel in diesem Jahr.
Beim letzten Schritt zum Premierentriumph auf spanischem Boden tat sich Federer gegen den zweifachen Olympiamedaillen-Gewinner von Athen (Gold im Doppel mit Nicolas Massu, Bronze im Einzel) nur in der ersten Phase ein wenig schwer beziehungsweise war Gonzalez im Stande, die Begegnung ausgeglichen zu gestalten. Federer musste sich im Startsatz bis zum abschliessenden Game gedulden, bis sich ihm die ersten Möglichkeiten zum Servicedurchbruch boten. Mit dem Break schien der Schweizer dem Chilenen aber gleichzeitig den Schneid abgekauft und den Glauben an eine Überraschung genommen zu haben.
Demonstration nach Schrecksekunde
Was folgte, war eine weitere Demonstration des unangefochtenen Primus unter den Tennisprofis - trotz einer Schrecksekunde kurz zuvor. Gegen Ende des ersten Satzes überdrehte er sich den rechten Fuss, an dem er sich vor einem Jahr ein Band gerissen hatte. Die Blessur hatte ihn zur Absage bei den Turnieren in Madrid, Basel und Paris-Bercy gezwungen. Federer beherrschte fortan das Geschehen auf dem Court gegen Gonzalez gleichwohl in ähnlicher Weise, wie er dies tags zuvor im Halbfinal beim 6:4, 6:0 gegen den Argentinier David Nalbandian getan hatte. Er gestand dem Weltranglisten-Zehnten und Vorjahressieger der Davidoff Swiss Indoors nur zwei Breakchancen (beim Stand von 3:0 und 5:0 im dritten Satz) zu, gewann die letzten elf Games und beendete die einseitige Partie im Eilzugstempo nach 107 Minuten. Im Head-to-Head gegen Gonzalez führt Federer nunmehr 8:0.
Am Wochenende habe er sehr gut gespielt, analysierte der Schweizer. Und auch Gonzalez stimmte ihm zu: «Ich konnte gar nichts ausrichten. Wenn Federer gut spielt, ist sehr schwierig, gegen ihn etwas auszurichten.» Angesichts der einseitigen Partie wurden der Nummer 1 mehr Fragen zur Zukunft als zur Gegenwart gestellt. So wollte ein Reporter vom Schweizer wissen, ob er auf dem Weg zum besten Spieler der Geschichte sei. «Ich bin noch fünf Jahre von diesen Gedanken entfernt», meinte Federer. «Derzeit befinde ich mich aber auf der Überholspur. Ich spiele sehr konstant und habe mich auch physisch verbessert.»
Mit seinem 43. Turniersieg steigerte Federer sein Total in der Weltrangliste auf die Rekordmarke von 7870 Punkten. Die 500 Zähler, die ihm für den Erfolg in Madrid gutgeschrieben werden, kommen wegen seiner Verletzungspause im Vorjahr vollumfänglich in die Wertung. Gleichzeitig baute Federer seinen Vorsprung auf den ersten Verfolger Rafael Nadal um zusätzliche 375 auf gigantische 3600 Punkte aus, nachdem der Mallorquiner in der spanischen Kapitale als Vorjahressieger schon im Viertelfinal gescheitert war. Damit steht auch rechnerisch fest, woran seit dem Spätsommer niemand mehr gezweifelt hat: Federer wird auch die laufende Saison wie die beiden Vorjahre als unangefochtene Nummer 1 beenden. Er ist zudem der erste Spieler in der Open Era, der in drei Saisons in Folge zehn Turniersiege und mehr auf dem Konto hat.
Ein Dutzend Masters-Series-Titel
In Bezug auf gewonnene Grand-Slam-Turniere liegt Federer im Vergleich mit Pete Sampras (noch) 9:14 im Rückstand, auf Stufe Masters Series hat er sein Idol mit dem zwölften Titel bereits hinter sich gelassen. In seiner Sammlung fehlen von diesen neun Turnieren nun lediglich noch die Titel in Monte Carlo, Rom und Paris-Bercy.
Der absolut Erfolgreichste ist nach wie vor Andre Agassi mit 17 Siegen. In diesem Jahr triumphierte Federer in einem Turnier der zweithöchsten Kategorie nach Indian Wells, Key Biscayne und Toronto zum vierten Mal und egalisierte damit den eigenen Rekord, den er seit der letzten Saison zusammen mit Nadal hält. Federer erhält in diesem Jahr noch die Chance, auch in dieser Statistik alleiniger Leader zu werden. Nach dem Auftritt in der Basler St. Jakobshalle und unmittelbar vor der Abreise zum Masters nach Schanghai hat er auch die Teilnahme in Paris-Bercy vorgesehen. (si)
Resultate:
Madrid - Masters-Series-Turnier (2,082 Mio. Euro/Halle) - Letzter Viertelfinal:
Fernando Gonzalez (Chile/10) s. Novak Djokovic (Ser/15) 7:5, 5:7, 7:5.
Halbfinals:
Roger Federer (Sz/1) s. David Nalbandian (Arg/4) 6:4, 6:0.
Gonzalez s. Tomas Berdych (Tsch/11) 6:3, 6:1.
Final:
Federer s. Gonzalez 7:5, 6:1, 6:0.


