Inhalt

Spengler Cup

Sieger mit Bodenhaftung

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 0:00 Uhr, Aktualisiert 7:19 Uhr

Die 78. Ausgabe des Spengler Cups wird nicht nur wegen des Triumphs der Davoser im Final gegen Sparta Prag (2:0) als aussergewöhnlichstes Kapitel der Turniergeschichte in Erinnerung bleiben. Mehrere NHL-Tenöre verliehen dem sechstägigen Konzert eine exklusive Note.

Jonas Hiller hält den Spengler-Cup-Pokal in die Höhe. (key)
(Jonas Hiller hält den Spengler-Cup-Pokal in die Höhe. (key))

Top Niveau

Keiner weiss das Niveau präziser einzuschätzen als Arno Del Curto. Ohne die Relationen zu verdrehen, blickte der Engadiner fasziniert auf die letzten Tage des Jahres zurück. «Das Niveau ist kaum mehr zu toppen», untertrieb der Davoser Trainer in Anbetracht der erstklassigen Besetzung aller Teilnehmer keineswegs.

Nur Stanley-Cup und WM höheres Rating

Rein offensives Spektakel allein genügt in der vermutlich prestigeträchtigsten Eishockey-Exhibiton längst nicht mehr. Nichts verdeutlichte das besser als der hart erarbeitete 2:0-Sieg gegen die Prager, die in Davos alle beeindruckt hatten. Den Wert der Veranstaltung dokumentiert, dass das Endspiel im tschechischen TV live übertragen wurde. Und dazu passt Rick Nashs durchaus nüchtern formulierter Schlusssatz: «Ich denke, dass nur der Stanley-Cup und die WM ein höheres Rating haben.»

Bodenhaftung nicht verloren

Gleichwohl verlor Del Curto die Bodenhaftung nicht. Den 13. Spengler-Cup-Sieg stuft er nicht grundsätzlich höher ein als die Erfolge in den Jahren 2000 und 2001. «Der erste Sieg nach 44 Jahren löste eine fantastische Euphorie aus. Die Ambiance in der Halle war doch wunderbar damals. Dann doppelten wir ein Jahr später gleich nach.» Die Kanadier in der Overtime zu schlagen, sei etwas ganz Spezielles gewesen.

Skizze an Garderobenwand

Zur nicht aufgesetzten Gelassenheit, mit welcher Del Curto die Erfolgskapitel der letzten fünf Turniere Revue passieren liess, passt seine Lebensphilosophie. An der hölzernen Garderobenwand skizzierte Arno Del Curto mit den Fingern, wie er die Facetten seines Jobs bewältigt. «Wissen Sie, ich gehöre auch im Erfolg nie zu denen, die weit abheben. Das bewahrt mich immer davor, nie ganz nach unten zu fallen.»

Hiller als Held

Diese Einstellung wird Del Curto in den nächsten Monaten und Jahren auch seinem Keeper Jonas Hiller vermitteln. Er will den 22- Jährigen, der entgegen gewisser Prognosen eine fantastische Woche zeigte, vor falscher Euphorie bewahren. Die allzu schnelle Steigerung der medialen Wertschätzung missfällt Del Curto: «Vor der Saison wurde uns doch generell ein Goalieproblem unterstellt. Jetzt ist Hiller plötzlich der Held.»

Beispiel Aebischer

Der Weg zur Demontage sei hierzulande üblicherweise sehr kurz: «Denken Sie an David Aebischer. Er ist ein Nummer-1-Goalie in der NHL und in Colorado. Er hat in sieben Jahren Fantastisches erreicht und jetzt wird er beinahe verspottet. Was mit ihm passiert, tut mir leid.» (si)

Telegramm

Davos - Sparta Prag 2:0 (1:0, 0:0, 1:0)
Eisstadion. -- 7580 Zuschauer (ausverkauft). -- SR McCreary, Popovic/Küng.
Tore: 8. Riesen (Nash) 1:0. 60. (59:25) Hagman (Ambühl) 2:0 (ins leere Tor).
Strafen: je 3mal 2 Minuten.
Davos: Hiller; Gianola, Jan von Arx; Hauer, Kress; Winkler, Barry Richter; Ramholt; Riesen, Reto von Arx, Nash; St. Louis, Rizzi, Thornton; Ambühl, Marha, Hagman; Neff, Sutter, Müller; Christen.
Sparta Prag: Pöpperle; Pilar, Hanzlik; Prochazka, Schnabel; Dobron, Reznicek; Majesky, Martin Richter; Kratena, Vyborny, Hlavac; Bärtschi, Dragoun, Wichser; Ton, Marek, Chabada; Netik, Bros, Kasparik.
Bemerkungen: Davos ohne Petrow, Heberlein, Guggisberg (alle verletzt), Häller und Forster (beide überzählig), Sparta Prag ohne Kotrla (verletzt). 51. Tor von Riesen nicht anerkannt (nach Video- Kontrolle) 60. Timeout Sparta Prag, von 59:07 bis 59:25 und von 59:34 ohne Goalie.