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Roger Federer mit Viersatz-Niederlage gegen Rafael Nadal

Freitag, 3. Juni 2005, 0:00 Uhr, Aktualisiert 05.09.2008, 11:42 Uhr

Roger Federer muss den Traum vom French-Open-Titel um ein weiteres Jahr verschieben. Der Schweizer unterlag im vorweg genommenen Endspiel dem Spanier Rafael Nadal in 2:47 Stunden 3:6, 6:4, 4:6, 3:6. Nadal trifft nun auf Mariano Puerta (Arg).

Rafael Nadal (key)

(Rafael Nadal (key))

Dass Geburtstagskind Nadal ausgerechnet nach einem Vorhand- Fehler von Roger Federer in die Knie sinken und die Ovationen der 15 171 Fans entgegen nehmen konnte, war irgendwie symptomatisch: Die Vorhand, ansonsten einer der Paradeschläge des Baselbieters, funktionierte nicht wie gewohnt, Federer machte damit 35 unerzwungene Fehler.

Nervöser Beginn
Nachdem die beiden Protagonisten der mit Spannung erwarteten Partie den Court Philippe Chatrier aufgrund Regenverspätung und des Fünfsätzers zwischen Puerta und Dawidenko erst um 18.20 betreten hatten, zeichnete sich schon früh ab, dass der dritte Vergleich mit Nadal kein Spaziergang für den Branchenleader werden würde. Den von gegenseitigem Respekt geprägten ersten Satz verlor er, nachdem er von fünf Aufschlagsspielen deren vier nicht durchgebracht hatte. Auch der Vorhand-Rhythmus stimmte nicht, was durch elf Fehler belegt wird. Für Federer war dies der erste Satzverlust nach 28 gewonnenen Durchgängen.

Probleme mit extremem Spin
Im zweiten Satz fand er besser ins Spiel, nach dem Gleichstand zeigte der Schweizer aber wieder ungewohnte Schwächen, wobei er weiter ziemlich unkostant aufschlug und erhebliche Probleme mit dem extremen Spin des Mallorquiners bekundete: Bei 2:3 verlor er das Aufschlaggame trotz einer 40:15-Führung, im vierten Satz liess er einen 2:1-Breakvorsprung ungenutzt und verlor seine letzten beiden Aufschlagspiele (zum 3:3 und 3:5), ehe Nadal kurz vor Hereinbrechen der Dunkelheit jubeln konnte. «Ich hatte zu viele Höhen und Tiefen, er war der konstantere Spieler», so Federer, der kurz vor Schluss beim Schiedsrichter erfolglos um eine Vertagung nachgesucht hatte.

Positive Sandbilanz
Federer verpasste damit den fünften Final in seinen letzten acht Major-Turnieren und bereits jetzt steht fest, dass er an Grand Slams die extrem hohe Vorgabe aus dem Vorjahr nicht mehr erfüllen kann: 2004 hatte er nicht weniger als drei Major-Titel gewonnen. Jetzt hat er mit 46:3 ebenfalls eine sensationelle Zwischenbilanz, zwei der drei Niederlagen hat er allerdings in Major-Halbfinals erlitten. In der Vorschlussrunde wies er vorher eine 4:0-Bilanz aus. Nadal hat nun in diesem Jahr einen Sieg mehr auf dem Konto als der Schweizer.

Keine lange Ruhepause
Allerdings muss man die Sandplatzsaison nun nicht gleich als Katastrophe bewerten: Federer gewann zum dritten Mal den Masters- Series-Event von Hamburg, schied in Monte Carlo erst nach Matchbällen im Viertelfinal aus und war an der Porte d'Auteuil so nah am Titel wie noch nie. En passant feierte er elf Siege in Serie. Die Chancen, dass er dereinst den «unechten» Grand Slam in Paris vervollständigt, stehen besser als auch schon. Allzu lange auftanken kann Federer nun nicht: Schon am Dienstag oder Mittwoch nimmt er in Halle (Ostwestfalen) die wettkampfmässige Vorbereitung auf Rasen für Wimbledon auf.

Puerta an der Tür zum Paradies
Puerta, Drittrunden-Bezwinger von Stanislas Wawrinka, klopft nun seinem Namen entsprechend an die Tür zum Tennis-Paradies. Und dies zwar sensationell, aber nicht unverdient: Der ungesetzte Argentinier setzte sich in 3:29 Stunden 6:4 im Entscheidungssatz gegen Nikolai Dawidenko (Russ/12) durch und profitierte dabei vom Nervenflattern des Vielspielers. Der Russe, der im Juli in Gstaad antritt und im Berner Oberland vielleicht sogar die Gesetztenliste anführt, führte im Schlusssatz 4:2, wurde danach aber nervös und gewann kein Game mehr.

Die Rückkehr des Geläuterten
Puerta (ATP 37) hat mit Ivan Ljubicic (Kro/14), Guillermo Canas (Arg/12) und jetzt Dawidenko drei Gesetzte ausgeschaltet, die Final- Qualifikation des Ende 2003 während neun Monaten wegen Clenbuterol- Dopings gesperrten «Gauchos» ist dennoch eine der grösseren Sensationen der Grand-Slam-Neuzeit. Bislang hatte der mit viel Ballgefühl ausgestattete 26-Jährige erst einmal bei einem Grand- Slam-Turnier die 3. Runde erreicht und das bei 15 Starts.

«Ich kann das kaum glauben»
Zudem hatte er während seiner Sperre ordentlich Speck angesetzt und brachte zwischenzeitlich 94 Kilogramm auf die Waage, bei einer Körperlänge von 178 Zentimetern. Viele Entbehrungen später wird er am Montag unter den Top 15 auftauchen. Er schüttelt selber den Kopf über seine Strähne: «Ich kann das nicht glauben. Es wird wohl einige Tage dauern, bis ich begreife, dass ich hier im Endspiel stehe.»

Final auf dem «Gleichmacher-Belag»
Lange hat es gedauert seit letztmals Linkshänder in einem Major- Endspiel standen. Der letzte, der dies geschafft hatte, war Goran Ivanisevic, der 2001 dann den Wimbledon-Final gewann. Ungesetzte im Pariser Final auf dem «Gleichmacher-Belag» werden hingegen zur Tradition: Puerta ist der Dritte in Serie nach Martin Verkerk und dem letztjährigen Champion Gaston Gaudio. Mit einem weiteren Sieg würde Puerta im Land des Gabriel Batistuta unsterblich: Er wäre der dritte argentinische Paris-Sieger nach Guillermo Vilas und Gaudio. (si)

Links zu Thema
» Interview mit Federer (04.06.2005)
» Vorweg genommer Final (02.06.2005)
» Puerta erster Finalist

Videos zum Thema

Der Satzball im ersten Satz Neues Fenster
Der Satzball im zweiten Satz Neues Fenster
Ein sensationeller Ballwechsel zum 30:15 im ersten Game des 3. Satzes Neues Fenster
Der Satzball im dritten Satz Neues Fenster
Ein unglaublicher Ballwechsel aus dem 4. Satz beim Stand von 3:4 Neues Fenster
Der Matchball nach 2 Stunden und 46 Minuten Neues Fenster
Matchbericht Federer - Nadal Neues Fenster
Interview mit Roger Federer Neues Fenster
Matchbericht Puerta - Davidenko Neues Fenster

Resultate

Roland Garros - Grand-Slam-Turnier (13,5 Mio Euro/Sand)
Männer - Halbfinals:
Rafael Nadal (Sp/4) s. Roger Federer (Sz/1) 6:3, 4:6, 6:4, 6:3.
Mariano Puerta (Arg) s. Nikolai Dawidenko (Russ/12) 6:3, 5:7, 2:6, 6:4, 6:4.

Frauen - Final (Samstag 15 Uhr):
Mary Pierce (Fr/21) - Justine Henin-Hardenne (Be/10).

Frauen-Doppel, Halbfinals:
Cara Black/Liezel Huber (Sim/SA/2) s. Corina Morariu/Patty Schnyder (USA/Sz/8) 6:4, 6:2.
Virginia Ruano Pascual/Paola Suarez (Sp/Arg/1) s. Nadia Petrowa/Meghann Shaughnessy (Russ/USA/5) 6:2, 6:4.

Mixed-Doppel, Final:
Daniela Hantuchova/Fabrice Santoro (Slk/Fr) s. Martina Navratilova/Leander Paes (USA/Ind/6) 3:6, 6:3, 6:2.