Tennis
Roger Federer rettete in extremis seine Sieg- und Finalserien
Roger Federer schaffte in Key Biscayne ein Meisterstück. In extremis rettete der Basler seine Erfolgssträhnen (22 Siege, 18 Finals in Serie gewonnen). Federer besiegte Rafael Nadal (Sp) nach 0:2-Satzrückstand mit 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1.
Dabei schien Roger Federer nach zwei Stunden im Final der Players Championships beim Zwischenstand von 2:6, 6:7 (4:7), 1:4 besiegt. Der Weltranglisten-Erste zollte bis zu diesem Moment den zwölf Einzeln während der vergangenen drei Wochen Tribut. Nadal, der erst 18-Jährige aus Mallorca, wirkte frischer und langatmiger. Aber dennoch kippte die Partie noch. Federer: «Ich rechnete im dritten Satz nicht mehr damit, die Partie noch gewinnen zu können. Nadal spielte dermassen gut. Am Ende wurde es ein phantastischer Tag für mich!»
Nummer-1-Bonus
Bei der nicht mehr erwarteten Wende spielte der Bonus, über welchen die Nummer 1 bei Schieds- und Linienrichtern verfügt, eine nicht unbedeutende Rolle. Die Situation: Federer lag im dritten Satz bei 3:4 und eigenem Aufschlag 0:30 in Rückstand. Bei diesem Skore leistete sich Federer ein weiterer seiner bis zu diesem Moment zahlreichen unerzwungenen Fehler. Der Linienrichter irrte sich jedoch krass zu Federers Gunsten, und Schiedsrichter Steve Ullrich (USA) überstimmte den Fehlentscheid nicht. Statt 0:40 hiess es 15:30; wenig später brachte Federer sein Aufschlagspiel zum 4:4 durch.
Bereits im Halbfinal gegen Andre Agassi (6:3, 6:4) irrten sich die Linesmen zweimal in wichtigen Momenten zu Federers Gunsten. Das System «Hawkeye» (Adlerauge) entlarvte diese Fehlentscheide. Aber erst an den amerikanischen Hartplatzturnieren nach Wimbledon (US- Open-Series) werden die Aktiven Schieds- und Linienrichter- Entscheide anfechten können.
Federers Kampfgeist
Rafael Nadal kam auch nach dem Fehlentscheid gegen ihn noch zu Chancen. Er führte im dritten Satz 5:4, 6:5 und im Tiebreak bei eigenem Aufschlag 5:3. Aber Federer kletterte aus dem Loch, das er sich während der ersten zwei Stunden gegraben hatte. Der Nummer-1- Bonus half dabei; wichtiger war jedoch, dass Federer in der scheinbar aussichtslosen Lage nicht resignierte, kühlen Kopf bewahrte und den Weg zum Sieg noch fand.
Nach dem Gewinn des Tiebreaks im dritten Satz vermochte Nadal, der ebenfalls 15 Siege hintereinander gefeiert hatte, Federer nicht mehr aufzuhalten. Die Sätze 4 und 5 dauerten bloss noch 62 Minuten. Federer vermochte endlich seine Fünf-Satz-Bilanz zum 8:8 auszugleichen. Zum dritten Mal in seiner Karriere und zum ersten Mal seit vier Jahren (am French Open gegen Sargis Sargsian) siegte Federer nach einem 0:2-Satzrückstand.
9 Turniere, 8 Siege
Roger Federer nimmt dank dem Turniersieg all seine Serien mit in die Sandplatzsaison, welche in einer Woche in Monaco beginnt. Federer gewann seit der Halbfinal-Niederlage gegen Marat Safin in Australien alle 22 Einzel und gestaltete auch den 18. Final in Folge (seit der Niederlage gegen Jiri Novak im Juli 2003 in Gstaad) siegreich. Federers Saisonbilanz steht nach Key Biscayne bei 32:1 Siegen - seit 1984 (John McEnroe 39:0 Siege!) startete niemand mehr erfolgreicher in ein Tennisjahr. Federer: «Anfang Jahr dachte ich, es sei nicht möglich, das Traumjahr 2004 zu wiederholen. Jetzt kann ich sagen: Vielleicht ist es doch möglich...»
Der Final entwickelte sich zum dramatischen und hochklassigen Spiel, weil Federer nicht in Topform spielte. Im Halbfinal in der Nacht auf Samstag gegen Andre Agassi (6:4, 6:3) dagegen war Federer eine nahezu perfekte Leistung gelungen. Federer taxierte diese Leistung als eine der besten in diesem Jahr. Federer: «Ich vermochte in den Grundlinienduellen mit Agassi mehr als mitzuhalten. Noch vor zwei Jahren hätte ich Agassi unmöglich von der Grundlinie aus besiegen können.»
Nach dem achten Triumph in den letzten neun Turnieren bleibt Federer keine lange Verschnaufpause. Er fliegt am Montag in die Schweiz zurück, schon am Freitag geht es aber ab nach Monaco ans nächste Masters-Series-Turnier. (si)
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